Unsere Kirche

Kirchenfuehrer-Wettbergen
Grafik: Grafolux

Unsere Kirche

Wer an einer der regelmäßig angebotenen Führungen durch unsere Wettberger Kirche teilnimmt, wird erstaunt und überrascht sein, wie viel es in dieser kleinen Dorfkirche zu entdecken gibt. Seit Jahren bietet Dieter Brodtmann (Prof. em. und langjähriges Kirchenvorstandsmitglied) für Interessierte solche Führungen an. Es gibt wohl niemanden, der so viel über dieses Gotteshaus zu erzählen weiß wie er. Nun hat er sein Wissen zu Papier gebracht – und herausgekommen ist ein wunderschöner Kirchenführer, ein kleines, 52 Seiten starkes Buch, das man – einmal in die Hand genommen – gar nicht mehr wieder weglegen möchte. Denn hier wird nicht bloß die Wettberger Kirche und ihre Historie beschrieben, sondern jedes Detail in ihr wird in seiner tieferen Bedeutung für den Glauben erklärt - in einer auch für Laien verständlichen Sprache. So wird man nach der Lektüre vielleicht „die Kirche anschließend mit ‚neuen Augen‘ betrachten“, wie es im Einleitungskapitel heißt.
 
Zu dieser neuen Sicht unserer Kirche tragen auch die zahlreichen, teils großformatigen Bilder bei. Die meisten von ihnen wurden von Wendelin Baltzer sehr professionell fotografiert, und präsentieren die vertrauten Bilder und Gegenstände in der Kirche in ganz neuem Licht. Und nicht zuletzt führt auch das sehr gelungene Layout dieses Buches dazu, dass man es gern und interessiert in die Hand nimmt. Für historisch Interessierte berichtet Dr. Anette Gudjons am Schluss des Bandes aus der Geschichte der Wettberger Kirche von 1447 bis zum Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts.
Das Pfarramt und die Kirchengemeinde Wettbergen danken Dieter Brodtmann ganz herzlich für die enorme Arbeit, die er in die Entstehung und Herausgabe dieses Kirchenführers investiert hat.
 
Das Buch kann gegen einen Unkostenbeitrag von 5 Euro im Pfarramt erworben werden. Es sollte in keinem Wettberger Bücherschrank fehlen.
DIETMAR STAHLBERG
 
Treppe außen
Foto: Buchmann

Ein steinernes Wappen über dem Eingang zur Kirche verweist auf die alte hannoversche Patrizierfamilie der Volger, die seit Anfang des 16. Jahrhunderts bis zum Jahr 1968 das Patronat über die Pfarre Wettbergen innehatte. Im Inneren ist die Kirche eine typische lutherische Predigtkirche mit Emporen, die vor einer größeren Renovierung im Jahr 1937 bis in den Chorraum reichten. Bei dieser Renovierung wurde auch die bis dahin über dem Barockaltar befindliche (Schwalbennest)Kanzel nach unten an die Seite versetzt.

Altarkuppel
Foto: Buchmann

Bei der Gestaltung des Altaraufbaus mit den vier gewundenen Säulen stand offensichtlich der Altar des Petersdoms im Rom Pate. Der Altar selbst - ursprünglich ein relativ kleiner lehmverputzter Fachwerkaltar - wurde 1990 holzvertäfelt und damit vergrößert. Gleichzeitig wurde der Bereich vor dem Altar erweitert, um Raum vor allem für kirchenmusikalische Aktivitäten zu schaffen. Hoch über dem Altar symbolisiert eine nur noch unvollständig erhaltene Figur den auferstandenen Christus. Die Kanzel wird zu beiden Seiten durch auf die Mitte des 18. Jahrhunderts datierte Abbildungen der Evangelisten mit den Symbolen Nimbus, Buch und Stift sowie den zugehörigen Symbolfiguren geschmückt. Unter der Christusfigur im Zentrum der Kanzel die Abbildung einer Sonnenfinsternis als Symbol der Todesstunde Christi. In einer Nische auf der Südseite steht eine aus Nordhessen stammende, ebenfalls auf die Mitte des 18. Jahrhunderts datierte hölzerne Johannes-der-Täufer-Figur mit Spruchband „ecce agnus dei" und einem skelettierten Kamelkopf als Schließe des Kamelfellgewandes. Der heutige helle und freundliche Gesamteindruck der Kirche verdankt sich vor allem einer umfangreichen Innenrenovierung im Jahr 1994. Seitdem entspricht die Farbe der Wände, der Bänke, Emporen und Altarsäulen wieder dem Stil des Barock.

Rundfenster innen
Foto: Buchmann

Bei der Renovierung wurde auch ein zugemauertes Rundfenster hinter dem Altar wiederentdeckt und geöffnet. Inzwischen ist es nach einem Entwurf des Künstlers Günter Grohs aus Wernigerode wie auch die beiden Seitenfenster in farbigem Glas gestaltet. Zusammen mit den Leuchten des berühmten dänischen Designers Poulsen geben die Fenster ein Beispiel für gelungene Integration von Tradition und Moderne. Außerdem wurde auch die bis dahin außen befestigte obere Hälfte eines Epitaphs an der Nordwand des Altarbereichs angebracht. In diesem aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammenden Epitaph fallen vor allem die quadratischen Symbole für dreizehn früh verstorbene Kinder der daneben abgebildeten Frau auf.

Gruft_02
Foto: Harms

Eine Besonderheit der Wettberger Kirche ist schließlich die unter dem Eingangsbereich befindliche Gruft, deren sepulkralhistorische Bedeutung sich im Zuge einer umfangreichen Restaurierung im Jahr 2009 herausstellte. In ihr befinden sich unterschiedlich gut erhaltene Särge von früheren Besitzern des Wettberger Edelhofs mit zum Teil ungewöhnlichen Sargbeschlägen.