Die Schöpfung

Neunzehn Jugendliche hätten in unserer Kirche im Mai eigentlich ihre Konfirmation gefeiert, nach einem Jahr Unterricht, - wenn da nicht die Corona-Epidemie dazwischengekommen wäre. Da im März noch nicht absehbar war, ob im Mai überhaupt wieder Gottesdienste stattfinden könnten und wenn ja, mit welchen Einschränkungen, mussten die Konfirmationen vorsorglich verschoben werden auf Anfang September, in der Hoffnung, dass wir dann schöne Gottesdienste zur Einsegnung unserer wunderbaren Jugendlichen feiern können.

Damit die Konfis aber in ihrem eigentlichen Konfirmationsmonat wenigstens ein bisschen präsent sind, wollen wir hier etwas von dem vorstellen, was sie in ihrer Konfirmandenzeit gemacht und erarbeitet haben.

Die Schöpfung - und was der Mensch aus ihr macht

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde – mit diesen Worten beginnt die Bibel. Und sie erzählt in den ersten zwei Kapiteln, wie Gott die Welt erschafft und alles, was ist, ins Dasein ruft. Wir haben die Geschichte im Unterricht miteinander gelesen. Dann haben wir sie verglichen mit dem, was die Wissenschaft heute über die Entstehung des Universums, der Welt und des Lebens weiß. Schnell wird klar, dass die biblische Erzählung kein wissenschaftlicher Tatsachenbericht sein will. Vielmehr müssen wir ihn lesen als ein erzähltes Bekenntnis: Gott hat alles geschaffen, was es gibt. Eine wunderbare Schöpfung hat er uns Menschen anvertraut.

Mitte August 2019 sind wir auf Konfirmandenfreizeit nach Scharbeutz an die Ostsee gefahren. Am Meer hat die Schöpfung noch etwas von ihrer Ursprünglichkeit, und es sind die schaffenden und formenden Kräfte besonders spürbar. Neben Spiel und Spaß am Strand im Sonnenschein haben sich die Jugendlichen in Arbeitsgruppen je zu zweit mit den Themen der Schöpfung kreativ auseinandergesetzt, sind also selber schöpferisch tätig geworden und haben Bilder gestaltet. Dabei sollte Material aus der Schöpfung verwendet werden, alles, was man an der Küste so findet: Sand, Steine, Muscheln, Seetang, Dünengras, ja, sogar Müll. Mit viel Kleber (und etwas Abtönfarben) sind daraus kleine Kunstwerke geworden, Gemeinschaftsproduktionen, die auf ihre Weise ein Lob der wunderbaren Schöpfung Gottes darstellen. Dazu haben dann die Kleingruppen Texte erarbeitet, die der Frage nachgehen, wie wir Menschen eigentlich mit der uns anvertrauten Schöpfung umgehen. Bilder und Texte werden hier nun vorgestellt. (Sowohl der Bibeltext als auch die Kommentare der ‚Konfis‘ werden im Folgenden in etwas gekürzter Form wiedergegeben. Die Bilder sind im Original 42x42 cm groß.)

I.   Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über der Urflut.
Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis. So ward aus Abend und Morgen der erste Tag.

Gott hat das Licht erschaffen. Das war sehr gut. Licht und Finsternis sind klar definiert wie Schwarz und Weiß. Wenn es hell ist, ist es Tag, wenn es dunkel ist, Nacht. Aber heutzutage ist es anders. Der Mensch produziert künstliches Licht - und kann damit die Nacht zum Tag machen. Das hilft dem Menschen, da man in den Fabriken auch nachts arbeiten kann. Aber das ist nicht immer gut für die Gesundheit. Überhaupt hat es auch seine Nachteile, dass der Mensch Licht machen kann, wann und wo er will. Es ist in der Nacht nicht mehr so dunkel, da die ganzen Städte nachts von Straßenlaternen erleuchtet werden. Dadurch ist es zwar sicherer auf den Straßen. Aber viele Insekten sterben an den Laternen. Und die Beleuchtung kostet auch sehr viel Energie.

Gut, dass der Mensch gelernt hat, das Sonnenlicht zu nutzen, indem er es mit Hilfe von Solarzellen in Strom umwandelt. Das hilft das Klima zu schützen.

Luca und Ole

II.   Und Gott sprach: Es werde eine Feste über der Erde. Und es geschah so. Und Gott nannte die Feste ‚Himmel‘. Da ward aus Abend und Morgen der zweite Tag.

Am zweiten Tag schuf Gott den Himmel, das heißt die Atmosphäre, die die Erde umgibt. Sie schützt uns vor gefährlicher Strahlung von der Sonne und ermöglicht es allen Lebewesen zu atmen.
In der Atmosphäre herrscht Wind, der uns bei der Fortbewegung unterstützt (Segelboote) und uns trägt (Flugzeuge). Außerdem hilft der Wind beim Wachstum und bei der Vermehrung der Pflanzen durch das Verteilen der Pollen.

Aber die Menschen verschmutzen auch den Himmel durch Flugzeuge und Feuerwerk. Außerdem steigen Abgase von der Industrie, von Kraftwerken, Autos und Heizungen in den Himmel, schädigen die Atmosphäre und erhitzen sie. So werden alle Jahreszeiten wärmer. Der Mensch muss in Zukunft mehr Acht geben auf den Himmel.

Tim und Thies

III.   Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Orte, dass man das Trockene sehe. Und es geschah so.

Gott hat eine Erde mit Land und Meer geschaffen. Dort, wo beides aufeinandertrifft, an den Küsten, ist die Natur so schön, dass die Menschen sie gerne zum Erholen nutzen. Viele nutzen das Meer und den Strand zum Baden und Sonnen; aber auch die Kinder finden ihre Beschäftigung am Strand. Viele Menschen gestalten ihren Tag mit Spazierengehen in der Natur.

Gerade die Küstenregionen, sowohl im Meer als auch an Land, bieten Nahrung für den Menschen. Allerdings geht der Mensch nicht immer sorgsam mit der Natur um: Zum Beispiel lässt er achtlos viel Müll liegen, kippt viel Dreck in das Meer. Aber nicht nur die Umweltverschmutzung des Landes und des Meeres stellt ein großes Problem dar, sondern auch der hohe Naturverlust an den eigentlich so schönen Küstenlandschaften durch den Bau von Hotels, Ferienwohnungen, Deichen und Häfen. Dadurch dass eben viele Menschen diese Orte besuchen und nutzen, entsteht viel Bebauung und Zerstörung der Natur.

Ronja und Lea-Marie

Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut und fruchtbare Bäume. Und es geschah so. Und Gott sah, dass es gut war. Da ward aus Abend und Morgen der dritte Tag.

Gott gab dem Menschen viele wunderbare Pflanzen. Der Mensch kann viele davon nutzen, er geht aber nicht sorgsam mit ihnen um. Durch Verschmutzung der Wälder und Vergiftung der Felder nutzt der Mensch die Pflanzen nicht nachhaltig genug. Dies wäre aber notwendig, da der Mensch die Pflanzen zum Leben benötigt. Ohne Pflanzen gäbe es keinen Sauerstoff zum Atmen, keine Nahrung, und es könnten keine Gegenstände aus Holz hergestellt werden. Das nicht verantwortliche Verhalten des Menschen ist am Beispiel der Abholzung des Regenwaldes sowie anderer Wälder erkennbar. Aus diesen Gründen müssen wir die Pflanzen besser schützen, denn sie sind für unsere Gesellschaft überlebensnotwendig.

Anna und Lena

IV.   Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre. Und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der vierte Tag. 

Gott schenkte uns eine wundervolle Welt mit der Sonne, einem Mond, den Sternen und den Gezeiten. Und Gott sah, dass es gut war.

Doch was macht der Mensch daraus? Die Menschen zeigen sich nicht dankbar. Anstatt die Schöpfung zu schätzen, zerstören wir sie. Wir zerstören die Welt auch dadurch, dass wir Satelliten in den Weltraum schicken. Wenn diese Satelliten kaputtgehen, bleiben sie trotzdem in der Erdumlaufbahn und fliegen dort als Weltraumschrott herum.

Außerdem verschmutzen wir die Welt mit Abgasen. Dadurch werden die Sommer immer länger und die Winter immer kürzer. Es wird immer wärmer und trockener. Durch die hohe Luftverschmutzung können wir die Sterne am Himmel von der Erde aus immer schlechter erkennen. Und da wir so viel Müll produzieren, wird schon überlegt, den Müll auf andere Planeten zu bringen.

Nadine, Emily und Mildred

V.   Und Gott sprach: Es wimmle das Wasser von lebendigem Getier, und Vögel sollen fliegen unter der Feste des Himmels. Und Gott sah, dass es gut war. Da ward aus Abend und Morgen der fünfte Tag.

Und Gott sah, dass es gut war. So steht es in der Bibel. Aber was würde Gott heute sagen?

Gott schuf die Meerestiere, damit sie die Meere bevölkern und wir uns von ihnen ernähren können. Viele Völker sind darauf angewiesen, Fische zu fangen zu ihrer Ernährung. Zumindest war dies früher so. Heute sind diese Länder, die früher dazu fähig waren, sich selbst zu versorgen, immer öfter auf Hilfe von außen angewiesen. Doch wie kommt es dazu? Wieso können sich diese Länder nicht mehr vom Fischfang ernähren?

Das ist die Schuld der Industrienationen, die mit riesigen Fabrikschiffen die Meere leerfischen, auch vor den Küsten der armen Länder. Zunehmend leiden die Meere an der Überfischung, von der sich manche Fischbestände wahrscheinlich nie mehr erholen werden.

Auch unter der Umweltverschmutzung leiden die Fische, da Plastik sich im Wasser kaum zersetzt und es von den Fischen oft gefressen wird. Viele Fische sterben daran. Andere landen auf unseren Tellern, und mit ihnen essen wir das Mikroplastik, das sich in ihnen angereichert hat. Es gibt auch noch weitere Probleme, die wir Menschen verursachen. Immer wieder läuft Öl aus Tankern und Ölplattformen aus. Und die lauten Geräusche, die Schiffe und Bohrinseln erzeugen, verwirren viele Meerestiere wie zum Beispiel Wale, so dass wir heute fast täglich von gestrandeten Walen hören.

Aus all dem schlussfolgern wir, dass Gott heute nicht mehr sagen würde, dass es gut war. Und all dies liegt am Menschen.

Connor und Philipp

Am fünften Tag schuf Gott die Tiere der Luft: Vögel, Insekten und Fledermäuse. Und er sah, dass es gut war. Für den Menschen haben diese Tiere einen großen Nutzen. So sind zum Beispiel Bienen für die Bestäubung von Pflanzen zuständig, damit der Mensch Äpfel und andere Früchte ernten kann. Zudem produzieren die Bienen Honig, für den Menschen ein weiteres Nahrungsmittel.

Auch Hühner nutzt der Mensch. Ihre Eier sind auf verschiedenste Weise verwendbar. Und auch der Verzehr von ihrem Fleisch ist heutzutage zum Alltag geworden.

Die meisten Menschen wissen dies aber nicht zu schätzen und missbrauchen die Geschöpfe Gottes. So ist beispielsweise die Biene vom Aussterben bedroht. Schuld daran ist der Mensch. Dieser nutzt Pestizide, um Insekten und andere Schädlinge von seinen Pflanzen fernzuhalten. Monokulturen führen dazu, dass Bienen nur in einem kleinen Zeitraum viele Blüten finden können (z.B. Rapsfeld) und danach vermutlich verhungern müssen. Die Erderwärmung führt dazu, dass die Bienen früher sterben, da sie an hohe Temperaturen nicht angepasst sind.

Eine weitere Gefahr für Tiere der Luft sind Flugzeuge. Sie tragen zu einer hohen Luftverschmutzung bei und reißen teilweise Vögel mit ihren Turbinen in den Tod. Eine bedrohlichere Gefahr sind die Unmengen an Plastikmüll. Viele Vögel erleiden einen qualvollen Tod, da sie Plastikteile fressen und daran elendig ersticken. Und um Platz für neuen Wohnraum, Nutztierflächen, Felder oder Straßen zu bekommen, zerstört der Mensch den Lebensraum vieler Vögel und Insekten. Da der Verzehr von Fleisch zum Alltag geworden ist, gibt es immer mehr Massentierhaltung, um den Bedarf zu stillen. Darunter leiden die Tiere, die auf engstem Raum – mit Antibiotika vollgestopft – nur noch auf ihren Tod warten.

Wenn Gott das gewusst hätte, hätte er vermutlich nicht gesagt, dass es gut sei.

Emely und Lea

VI.   Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendiges Getier, Vieh, Gewürm und Tiere des Feldes. Und es geschah so. Und Gott sah, dass es gut war.

Gott hat uns die Landtiere gegeben, um mit manchen von ihnen in Harmonie zusammenleben zu können und um sie zu nutzen. So können wir uns von ihrem Fleisch ernähren, aus ihren Fellen Sachen herstellen und von ihnen Milch und Wolle bekommen. Auch können wir in den Zoo gehen, um exotische Tiere beobachten zu können.

Aber wir behandeln die Tiere oft sehr schlecht. Tiere werden in Käfige gesperrt, ja wir betreiben Massentierhaltung, was Tierquälerei ist, nur damit wir billiges Fleisch von ihnen bekommen. Außerdem zerstören wir ihre Lebensräume, weshalb schon viele Tierarten ausgestorben sind. Manche Arten sind auch vom Aussterben bedroht, weil Wilderer die Tiere jagen.

Fiona und Gianna

Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und macht sie euch untertan und herrschet über alles Getier.

Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.

Gott schuf den Menschen als den Verwalter und Aufpasser über das von ihm Geschaffene.

Stattdessen aber zerstört der Mensch seinen eigenen Lebensraum, indem er beispielsweise übermäßig viel Müll und Abgase produziert und die für ihn selbst wichtigen Ressourcen verschwendet und verbraucht.

Des Weiteren wurden die Menschen von Gott so geschaffen, dass sie einen liebevollen, hilfsbereiten und netten Umgang miteinander pflegen sollen. Jedoch kommt es heutzutage oftmals zu Kriegen, zu Diskriminierung und Ausgrenzung zwischen den Menschen. Zudem stellen auch Mobbing, Gewalttätigkeiten, Lügen und Betrügen ein alltägliches Problem dar.

Wir Menschen sollten das Werk Gottes mehr wertschätzen und achten, um auch in Zukunft ein gutes und friedliches Leben miteinander führen zu können.

Cordt und Simon

VII.   Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke. Und er segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die er geschaffen und gemacht hatte.

Gott schuf den Sonntag, damit sich die Menschen ausruhen und von der Arbeit erholen können, dass sie was mit der Familie machen können, zum Beispiel einen Ausflug.

Aber heutzutage müssen immer mehr Menschen am Sonntag arbeiten, in Hotels, Bars, bei der Bahn, in Fabriken, oder in Geschäften an verkaufsoffenen Sonntagen. Dadurch können viele Menschen nicht mehr gemeinsam was machen, weil sie nicht mehr alle am Sonntag, sondern an unterschiedlichen Tagen frei haben.

In anderen Ländern wurde der freie Sonntag als Ruhetag längst abgeschafft. Wir aber sollten diesen gemeinsamen freien Tag schützen und wertschätzen. Denn für uns ist es eigentlich sehr wichtig, dass wir einen gemeinsamen Tag haben, wo wir mit der Familie was unternehmen oder zuhause was machen können (wie zum Beispiel Karten spielen) und wo wir in die Kirche gehen können, um an Gott zu denken.

Kaj und Bela